Es ist nicht nur oder nicht unbedingt der Stoff, also zum Beispiel das
Nikotin, der süchtig macht. Eine wichtige Komponente beim Suchtverhalten ist auch der innere Zwang, der entsteht, wenn man sich etwas eingeredet hat, oder etwas einem eingeredet wurde. Ein Mechanismus, der Zugang zum
Unterbewusstsein gefunden und sich dann dort eingenistet hat.
Sie erinnern sich an das eingangs erwähnte, harmlosere Beispiel, dass man sich über eine Lappalie ärgert, obwohl man das mit dem Verstand, mit
dem Oberbewusstsein einfach nicht will. Aber der Zwang, sich trotzdem zu ärgern, hat sich im Unterbewusstsein eingenistet und wir haben dorthin keinen Zugang.
Aber die Hypnosetherapie hat den Schlüssel dazu.
Die negativen Entzugserscheinungen sind nicht anders zu sehen, wie die positiven Resultate einer Hypnosesitzung. Der Patient kommt in eine Situation, die seinen Körper verrückt spielen lässt und umgekehrt
beruhigt und besänftig die totale Entspannung maximal.Ein Beweis ist eine interessante Reaktion, die bei den bedauernswerten Schwerstkranken zu beobachten ist, die zur Verringerung der Schmerzen Rauschgift erhalten. In
den Fällen, in denen eine Besserung oder Heilung dann doch noch gelingt, erlebt man nach Absetzen des Mittels keine Entzugserscheinungen der ehemals an das Rauschgift Gewöhnten.
Was man sich eingeredet hat oder hat
einreden lassen, kann man sich auch wieder ausreden (lassen). Mit der Hypnosetherapie.
Im Prinzip gilt für das Alkohol- und das Rauschgiftproblem das gleiche, wie soeben für das Rauchen gesagte: Hauptärgernis ist
ebenfalls der Versuch ”guter Freunde”, den Patienten erneut in den Sumpf der Abhängigkeit zu ziehen. Sie wollen möglichst in großer Gesellschaft in diesem Sumpf hocken.
Deshalb ist es sehr hilfreich, Distanz zu den
”Freunden” der Szene aufzubauen. Es sei denn, diese akzeptieren den Ausstieg ihres ehemaligen Sauf- und Rauschgiftkumpanen und bedrängen ihn nicht, wieder gemeinsame Sache zu machen. Aber von dieser Kooperation auch nur
eines einzigen Noch-Süchtigen habe ich in den Jahrzehnten meiner Hypnosetherapie noch nichts gehört. Deshalb ist der Abstand zur Szene, auch in der harmlosesten Kneipe, die einzige und beste Lösung.
Doch sollte die
Versuchung sich trotzdem einschleichen wollen: Die hypnotischen Regeln, die durch die Kraft der Hypnosetherapie im Unterbewusstsein gespeichert wurden, sind ebenfalls immer wie ein Wachsoldat auf der Lauer. Sei es, dass
der Therapeut einen sogenannten posthypnotischen Befehl (auf Wunsch des Patienten) ins Unterbewusstsein gespeichert oder sonstige Mechanismen ins Spiel gebracht hat. Nach meiner Erfahrung ist das Telefon jedenfalls das
probateste Hilfsmittel in Notsituationen der Bedrängnis. Und ein Telefon ist heutzutage immer in der Nähe. Und das handliche Funktelefon in der Hosentasche des Patienten und Therapeuten ist mittlerweile ein Segen.
Ist keine Hilfe von außen möglich, bleibt uns noch die Kraft der Atmung. ”Begegne dem Übel mit einem tiefen Atemzug”. Dieser über zweitausend Jahre alte Satz aus der Weisheit der Griechen, gut eingebaut und
vorbereitet schon in der ersten Hypnosesitzung, ist ein segensreicher Bremsmechanismus. Nicht allein im Suchtverhalten, sondern auch in der alltäglichen Konfrontation mit aggressiven Mitmenschen und sonstigen
Stresssituationen.
Tief, tief ausatmen vor allem, atmet die Angst und den Frust aus Körper und Seele raus. Tief, tief einatmen richtet anschließend den ganzen Körper auf, macht ihn größer und gibt Kraft und
Selbstbewusstsein, dem Übel aufrecht und stark zu begegnen und es wegzublasen. Und der Mechanismus, dass man sich in solchen bösen Situationen schlagartig an die eigene Atmung, an diesen Verbündeten erinnert (”es ist
als wenn eine Glocke anschlägt”) und ihn einsetzt, kann in der Hypnosetherapie-Sitzung eingepflanzt werden.